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Freiwillige Feuerwehr Wächtersbach
1871 - 1971
"Einer für Alle, Alle für Einen!
Gott zur Ehr´, dem Nächsten zur Wehr! “
Unter diesem Leitspruch bildete sich im Herbst 1871 die erste freiwillige, ständige Bedienungsmannschaft der Wächtersbacher Feuerspritze. Die kleine Schar von Wächtersbacher Bürgern kam aus den reihen des Turnvereins und so wurde die erste freiwillige Feuerwehr unter der Bezeichnung „Freiwillige Turnerfeuerwehr“ von 27 Turnerfreunden gegründet. In den Statuten wurde festgelegt: Dies zeigt, dass bei einer Notsituation in der Stadt jeder Bürger seinen Beitrag zur Schadensbekämpfung zu leisten hatte. Aus den Reihen der Handerker war eine Pflichtmannschaft benannt, die im Brandfall den Löschangriff mit der Handbetriebenen Feuerspritze und die Rettung von Mensch, Tier und Hausrat auszuführen hatte.
Jedoch konnte in jener Zeit diese Verordnung noch kein organisiertes Feuerlöschwesen garantieren. Zwar musste jeder neue Bürger in der Stadt Wächtersbach bei der Überreichung des Bürgerbriefes neben dem Einstandsgeld einen ledernen Feuereimer stiften oder die Kosten für die Anschaffung eines solchen übernehmen, doch war damit eine Gewähr für guten Brandschutz nicht gegeben. Der Ledereimer galt eher als das Symbol der opferbereiten und tätigen Hilfe und erinnerte den Bürger an seine Pflicht, in echtem Gemeinschaftsdienst dem Nachbar in jeder Notlage beizustehen und ihn nach Verlust des Hab und Gutes zu unterstützen. Der Gedanke des organisierten Feuerlöschwesens auf freiwilliger Basis wurde in den Folgejahren nach 1842 besonders in der Turnerbewegung im Sinne von Turnvater Jahn ausgebaut. In Hanau wurde im Jahre 1843 die erste Turnerfeuerwehr der Region gegründet. Mit dem bestehenden Zwang zur Hilfe konnte jedoch auf Dauer die notwendige effektive Brandbekämpfung nicht ausgebaut werden. Aus dieser Erkenntnis heraus und wegen der immer stärker werdenden Erfordernisse an einen geordneten und ständig einsatzbereiten Brandschutz wurde am 2. September 1871 die „Freiwillige Turnerfeuerwehr“ gegründet. Vorsitzender des Vereins wurde Uhrmacher Georg Kolb. Kommandant der Mannschaften Mundkoch Karl Frank. Eingeteilt wurden zwei Spritzenmannschaften, eine Zubringermannschaft zum Bilden der Wasserketten, eine Rettungs- und Steigermannschaft sowie eine Ordnungspolizei. Als Bekleidung wurden einheitliche Blusen „von blau und weiß gestreiftem Leinenzeug, auf den Schultern mit roter Kordel garniert“ bestimmt. Übernommen wurden die vorhandenen Ausrüstungsgegenstände sowie die städtische „Bürgerspritze“. Kurz nach Gründung der Wehr übereignete S.D. Ferdinand Maximilian Fürst zu Ysenburg und Büdingen der Wehr eine neue Feuerspritze (Schlossspritze) und stellte für den Bedarfsfalle eine zweite, im Schloss stationierte fahrbare Feuerspritze den Löschmannschaften zur Verfügung. Erstmals gefordert waren die Mannschaften der Wehr bei einem Wohnhausbrand im April 1872, der unter Einsatz der Pumpen und der inzwischen von der Stadt angeschafften großen Leiter rasch unter Kontrolle gebracht werden konnte. Dieser erste Löscherfolg bestätigte die seinerzeit vielfach belächelten, wöchentlichen Übungen der einzelnen Mannschaften der Freiwilligen Turnerfeuerwehr. ![]() Drei große Brände in den Jahren 1875 und 1876 zeigten jedoch auf, dass mit den kleinen Pumpen der beste Wille der Helfer zur Leistung allein nicht ausreicht. Um eine fahrbare Saug- und Druckspritze erwerben zu können, wurde eine Spendenaktion in der Bürgerschaft durchgeführt; ergänzt durch die Spende des Fürstenhauses konnte die Stadt Wächtersbach dann im Jahre 1876 für 2.385 Mark bei der Firma Karl Metz in Heidelberg die dringend benötigte Pumpe kaufen.
Die Neuanschaffung der Saug- und Druckspritze machte eine wesentlich Umstellung der Einsatztaktik und der Mannschaften notwendig. Die immerhin 72 Mitglieder zählenden Mannschaften wurden in eine Steigerkompanie, drei Spritzenkompanien, eine Schlauchkompanie sowie eine Rettungs- und Polizeimannschaft aufgeteilt. Bis 1880 wuchs die Bevölkerungszahl in Wächtersbach auf 1.200 Bürger, der Feuerwehr standen neben den drei Spritzen eine Aufziehleiter, zwei Schiebeleitern, elf Haken- und Dachleitern, ein Schlauchkarren, ein Requisitenwagen, 50 lederne Feuereimer und rund 300 Meter Schlauchmaterial zur Verfügung. Dazu kam Ende 1880 eine große Aufstell-Leiter, welche der Fürst stiftete. Nach dem Wechsel in der Vorstandschaft wurde Karl Frank Vereinsvorsitzender und Maurermeister Lißmann Kommandant der Mannschaften. In den Jahren 1882 bis 1886 hatte die Freiwillige Turnerfeuerwehr starke Turbulenzen im Vereinswesen, mit Auflösung der Turnerfeuerwehr, Gründung einer „Freiwilligen Schlossfeuerwehr“ und schließlich Neugliederung im Freiwilligen Feuerwehrverein, in den wieder alle früheren Mitglieder zurückfanden. Vereinsvorstand wurde hier im August 1886 der damalige Bürgermeister Christian Morkel; Wehrkommandant wurde Schreinermeister Ferdinand Müller. Parallel zur seit 1871 aktiven Freiwilligen Feuerwehr wurde seitens der Stadt auch noch die Pflichtfeuerwehr personell vorgehalten, die jedoch angesichts des guten Ausbildungsstandes der Freiwilligen nicht mehr zum Einsatz kam und schließlich aufgelöst wurde. Im Amt des Vorsitzenden löste 1896 Gerbermeister Louis Kolb Bürgermeister Morkel ab, Kolb leitete den Verein bis 1902, ihm folgte im Amt Burgermeister Bernhard Hankeln. Die Freiwillige Feuerwehr musste zahlreiche Einsätze bestehen, wobei die Brände in der Kinzigmühle, bei einem Zugzusammenstoß, in der Schamberschen Mühle im Jahre 1898 sowie zwei Brände in der Parkettfabrik 1901 sowie mehrere große Waldbrände und auf dem Weiherhof als Großereignisse überliefert sind. Im Jahre 1904 übergab Kommandant Ferdinand Müller nach 17 Dienstjahren sein Amt an Straßenmeister Karl Wolf. Nach der Jahrhundertwende wurde in Wächtersbach der Ausbau der Wasserversorgung vorangetrieben. Die Quelle an der Erlenmühle wurde gefasst, ein Wasserhochbehälter an der Wittgenborner Straße errichtet und eine erste Wasserleitung für die kleine Stadt gebaut. Im Straßennetz der heutigen Altstadt standen danach 35 Hydranten zur Verfügung, was dem Brandschutz wesentlich diente. Der Vereinsvorsitz wechselte 1904 auf Kaufmann Karl Rhumbler, der wiederum das Amt 1905 an Steuerinspektor Josef Lex übergab. Eine Satzungsänderung verfügte 1906, das Amt des Vereinsvorsitzenden mit dem Kommandanten der Mannschaften zu vereinen. Dieses Amt hatte Josef Lex bis 1907 inne, er übergab das Amt an Straßenmeister Karl Wolf. 1910 wurde eine mechanische Leiter gekauft, die eine Steighöhe von zehn Metern ermöglichte. 1913 wechselte das Amt des Kommandanten und Ortsbrandmeisters von Karl Wolf auf Schneidermeister Christian Hain. Unter seiner Führung musste die Wehr einen Großbrand im Längsbau des Gutshofes bewältigen und 1914 den Brand in der Kartonagefabrik bekämpfen. Bei diesem Brand war auch die seit 1903 bestehende Werksfeuerwehr der Firma Christian, später Gebr. Adt beteiligt, die sich ab 1922 mit 26 Mann als dritte Kompanie in die Freiwillige Feuerwehr Wächtersbach eingliederte. 1922 wurde Ortsbrandmeister Christian Hain zum Bezirksbrandmeister berufen, das Amt des Kommandanten und Ortsbrandmeisters wurde an Karl Reifschneider übertragen. 1926 musste ein größerer Zimmerbrand im Schloss gelöscht werden, in den Folgejahren wurde die Kartonagenfabrik der Gebr. Adt von zwei Großbränden heimgesucht, 1929 musste der in Flammen stehende Haferboden der Fürstlichen Brauerei gelöscht werden, im gleichen Jahr wurde die Wehr zu einem großen Scheunenbrand in Salmünster gerufen. Im Jahre 1930 zählte Wächtersbach 1600 Einwohner, 256 Wohnhäuser und 60 Scheunen. Weißbindermeister Karl Hölzer gründete in 1908 innerhalb des Feuerwehrvereins einen Spielmannszug, der bis 1938 bestand und die Wehr bei Übungen und bei Festlichkeiten begleitete. Die Zeit zwischen 1930 und 1945 forderte von der Feuerwehr manche Umstellung und Neuerung, nicht immer zum Besten. So konnte erstmals 1931 eine Jugendfeuerwehr aufgebaut werden, die mit wachsender Begeisterung und Aktivität aufwarten konnte. 22 Mitglieder waren hier zu verzeichnen; die Jugendfeuerwehr musste jedoch in den Tagen des NS-Regimes aufgelöst werden. Der Kommandantenwechsel 1931 auf Wilhelm Geiger währte nicht lange, denn mit der Einführung einer neuen Feuerwehrdienstvorschrift Ende 1933 wurde die Altersgrenze für Führungskräfte gesenkt und neue Führungskräfte mussten gewählt werden. Die Wehrführung ging 1933 dann auf Ferdinand Reifschneider über, der dieses Amt bis 1939 innehatte. Die neuen Dienstvorschriften waren ganz auf das NS-Regimes abgestimmt. Sie forderten eine an die militaristischen Pläne der Führung ausgerichtete Ausbildung der Feuerwehrkräfte zu „Einheitsfeuerwehrmännern“, so die Dienstvorschrift. Das Feuerlöschwesen wurde ausgebaut, neue Gerätschaften, darunter auch erstmals Gasmasken geliefert. Bis zum Jahre 1936 wurden die Löschangriffe ausschließlich mit Muskelkraft der Wehrmänner vorgetragen, es kamen immer noch die handbetriebenen Löschpumpen zum Einsatz. 1936 schloss sich Wächtersbach mit den Gemeinden Aufenau, Neudorf, Hesseldorf, Weilers und Schlierbach zu einem Feuerlöschverband zusammen, aus dessen Mittelverwaltung und staatlichen Zuschüssen für 3.400 Mark eine erste motorgetriebene Feuerspritze beschafft wurde. Es war eine Zweizylinder-2-Takt Motorspritze der Firma Flader, die heute noch im Bestand der Wächtersbacher Wehr ist. ![]() Diese erste Tragkraftspritze mit einer Wasserförderung von 800 Litern pro Minute war auf einem Anhängergestell verlastet und machte eine wesentlich effektivere Brandbekämpfung möglich.
1937 konnte ein offener Mercedes-Benz-PKW aus Reichswehrbeständen angekauft werden. Es entstand eine mobile Löschgruppe, deren neuer Standort ein „Motorspritzenhaus“ unterhalb des alten Rathauses war, die anderen Gerätschaften verblieben weiterhin im Spritzenhaus im alten Rathaus. Der Übungs- und Einsatzdienst der nun auf militärische Grundzüge ausgerichteten Feuerwehr veränderte viel innerhalb der Wehr. Aus der einstigen Kameradschaft zum tätigen Miteinander wurden immer mehr Pflichtübungen und Arbeitsaufträge. Immer mehr Feuerwehrleute wurden zum Militärdienst eingezogen, so auch Wehrführer Reifschneider. Mit der Führung der Wehr wird nun Gottfried Noll beauftragt, der nun eine an den militärischen und kriegsbedingten Notwendigkeiten ausgerichtete Feuerlöschtruppe leiten muss. Auch die Mitglieder der Altersabteilung werden wieder im Einsatzdienst reaktiviert und manch harter Bewährungsprobe unterzogen. Ein großer Schadensfall ist der Brand des fürstlichen Schlosses im Oktober 1939. Nach diesem Schadensfeuer übersiedelte die fürstliche Familie nach Büdingen. Innerhalb der Wehr Wächtersbach musste eine motorisierte Gruppe aufgestellt werden, die mit Fahrzeug und Pumpe im Brandfalle in die umliegenden Ortschaften ausrücken musste. 1942 wurde der motorisierten Einsatztruppe ein Löschgruppenfahrzeug (LF8) zur Verfügung gestellt, damit aber auch die Verpflichtung zur Löschhilfe im Umkreis von bis zu 200 Kilometern. In den Kriegstagen war die Wächtersbacher Gruppe bis in Hanau, Offenbach, Frankfurt und Kassel zur Brandbekämpfung und bei Bergungsarbeiten. Aber auch in Wächtersbach und der näheren Umgebung machte der Krieg nicht halt. Die Einsatzprotokolle kunden von Schäden nach Luftangriffen und nach Gefechten, auch hier mussten die Wehrmänner ihren Mitbürgern helfen die Schäden so gering wie möglich zu halten. Als besonders schwere Einsätze sind in den Protokollen der Brand eines Munitions- und Treibstoffzuges in Salmünster, sowie nach Bombentreffern am Kreisbahnhaus in der Brückenstrasse und der Firma Adt aufgeführt. Nach Ende des Krieges war offiziell seitens der Besatzungsmacht eine öffentliche Tätigkeit der Feuerwehr untersagt, jedoch wurde die Feuerwehr von der US-Armee bald zu den verschiedensten Hilfeleistungen herangezogen. Dabei wurde Heinrich Becker mit der Leitung der Feuerwehr beauftragt. Erstmals 1948 durfte sich der Feuerwehrverein wieder offiziell zu einer Versammlung einfinden; hier wurde die neue Satzung beschlossen und Heinrich Becker als Wehrführer und Vereinsvorsitzenden gewählt. In den letzten Kriegsjahren und in der Wiederaufbauzeit wurde den Kräften der Feuerwehr viel abverlangt und unermüdlicher Einsatz gezeigt. Hier zeigten nicht nur die Kommandanten große Pflichterfüllung, auch die Mannschaften wurden vielfach hart gefordert. Trotz eingeschränkter Mittel konnte die Wehr mit Hilfe der Stadt Wächtersbach die vom Krieg geschädigten Ausrüstungsgegenstände beständig auswechseln und ergänzen. 1950 wurde ein Truck der amerikanischen Streitkräften beschafft und für den Feuerwehrdienst umgerüstet. Auf die Ladefläche wurde ein geschlossener Aufbau für die Mannschaft gesetzt und eine Vorbaupumpe mit 1.200 Liter Förderleistung aufgebaut. ![]() Mit diesem Fahrzeug mussten zahlreiche Waldbrände, der Brand des Sägewerks Budde und ein Brand in der Möbelfabrik Eisenhammer bekämpft werden. In den folgenden Jahren dominierte der Ausbau der Wehr und der Vereinsgemeinschaft. So wurde 1951 wieder ein Spielmannszug gebildet, der bis 1958 ein fester Bestandteil des Wächtersbacher Vereinsleben war und bei kaum einem Fest als Unterhalter fehlte. Doch auch das Sinnen nach Besserung bei der Feuerwehrausrüstung wurde nicht vernachlässigt.
Immer öfter zeigte sich, dass die dezentrale Lagerung der Einsatzmaterialien die effektive Arbeit der Wehr erschwerte. So waren Teile der Ausrüstung im Stallbau des Schlosses, im alten Rathaus sowie in verschiedenen Scheunen unbefriedigend untergebracht. Insbesondere dann, wenn zu großen Einsätzen, wie etwa den ausgedehnten Waldbränden 1954 und mehreren Scheunenbränden 1956, vor dem Ausrücken erst die Gerätschaften zusammengeführt werden mussten, zeigte sich der räumliche Mangel. Der Entschluss zum Bau eines Gerätehauses wurde 1955 gefasst, 1957 konnte das Gerätehaus in der Bahnhofstraße übergeben werden. ![]() In den für damalige Verhältnisse modernen Gerätehaus waren drei Boxen für die Fahrzeuge, eine Werkstatt mit Schlauchwäsche, ein Trockenturm, ein Waschraum mit Toilette, im Obergeschoss eine Dreizimmerwohnung für den Gerätewart, ein Unterrichtsraum und eine Kleiderkammer eingerichtet.
Von hier aus konnten die Einsatzkräfte nun zentral ausrücken, was immer öfter nötig wurde. Brände in der Firma Scheuß 1957 und die Umweltkatastrophe 1958 mit den großen Windwürfen waren zu verzeichnen. Waren in früheren Friedensjahren meist ein bis fünf Brände im Jahr zu verzeichnen, so kletterte die Einsatzstatistik in 1959 mit Hilfeleistungen schon auf 13 Einsätze. Nach nun 10 Jahren Dienstzeit als provisorisches Löschfahrzeug musste der alte Truck ausgemustert werden. Der Kauf eines neuen Fahrzeuges wurde nötig; man entschied sich für ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 des Typ Opel-Blitz. Mit Vorbaupumpe, eingeschobener Tragkraftspritze sowie Platz für die Mannschaft und die Gerätschaften einer Löschgruppe war dies ein großer Fortschritt in der Schlagkraft der Wehr. Erstmals wurde auch ein Atemschutzgerät angeschafft. Heinrich Heldmann, seit 1953 Bürgermeister von Wächtersbach, übergab dieses Fahrzeug 1960 an den neuen Vorsitzenden und Wehrführer Wilhelm Noll. Dessen Vorgänger, Heinrich Becker, der das Amt seit 1945 innehatte, wurde zum Ehrenbrandmeister der Wehr ernannt. ![]() Die folgenden Jahre erforderten, dass die Wehr Wächtersbach wegen Ihrer zentralen Lage und den umliegenden Wäldern immer stärker in Anspruch genommen wurde. Insbesondere beim Brandschutz in den Wäldern der Region waren Wächtersbacher Wehrleute immer wieder gefordert. Dabei zeigte sich aber auch, dass die bergige Landschaft rund um die aufstrebende Stadt kaum Möglichkeiten zur Löschwassergewinnung bereithält. So wurde es vordringliches Ziel der Wehrführung, die notwendige Beschaffung eines Tanklöschfahrzeuges anzugehen. Nicht nur die zunehmenden Waldbrände, sondern die steigenden Brandgefahren in den Wohnhäusern durch immer mehr Heizstellen mit Ölofen erforderten eine Verbesserung der Gefahrenabwehr.
Nach einer Sammlung in der Bevölkerung – 5.000 Mark – und bei den Gewerbebetrieben, die 12.000 Mark erbrachte, konnte die Stadt mit Zuschüssen ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 für 65.000 Mark beschaffen. Das TLF 16 war als Staffelfahrzeug ausgelegt, verfügte über einen Löschwasservorrat von 2.400 Litern und war mit einer 1.600 Liter Förderleistung starken Feuerlöschkreiselpumpe mit Schnellangriffseinrichtung ausgestattet. Erstmals waren hier auch Atemschutzgeräte Bestandteil der Ausrüstung. Ebenfalls 1966 wurde der Wehr Wächtersbach vom damaligen Zivilen Bevölkerungsschutz (ZB) ein Schlauchkraftwagen (SKW) mit 1200 Metern gekoppelten Schläuchen zur Verfügung gestellt. Mit dem nun aus drei Fahrzeugen bestehenden Löschzug musste die nun schlagkräftige Wehr Wächtersbach vermehrt in die Nachbargemeinden ausrücken, um hier bei Schadensereignissen nachbarliche Hilfe zu leisten. ![]() Im August 1966 musste der Löschzug beim Großbrand des Hofgutes Entenfang bei Fischborn helfen, im Dezember waren die Wehrleute beim Hochwasser im Kinzigtal tagelang im Einsatz. Neben all den zahlreichen Übungs- und Einsatztätigkeiten wurden nun auch vermehrt Einsatzkräfte zu Lehrgängen an der Landesfeuerwehrschule in Kassel entsandt, was den einsatztaktischen Wert der Wehr immer mehr stärkte.
Mit neuen Planungen musste sich Stadtverwaltung und Feuerwehr Wächtersbach im Jahre 1970 auseinander setzen. Die Umgestaltung des Schulsystems in Hessen sah für Wächtersbach den Bau einer integrierten Gesamtschule vor. Dem geplanten Schulneubau stand jedoch das erst 1957 gebaute Gerätehaus der Feuerwehr im Weg. So musste ein neues Feuerwehrhaus geplant und gebaut werden. Die damaligen Neuerungen im Brandschutzhilfeleistungsgesetz brachten auch die Einführung von Feuerwehrstützpunkten. Der durch den Schulneubau dringlich gewordene Neubau des Feuerwehrgerätehauses wurde seitens des Regierungspräsidiums auf das neue Stützpunktkonzept abgestimmt und geplant. 1971, zum 100jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Wächtersbach, konnte der neue Feuerwehrstützpunkt übergeben werden. Das neue Gerätehaus wurde als Zweckbau mit fünf Fahrzeugboxen, Schlauchwasch- und Trockenanlage sowie Geräte- und Werkstattraum im Keller, dazu Atemschutzraum, WC- und Waschraum im Erdgeschoss, gebaut, Im Obergeschoss war ein Schulungsraum, ein Lehrmittelraum, ein Funkraum sowie das Ortsbrandmeisterbüro eingerichtet, ebenfalls war hier die Wohnung des Gerätewartes. ![]() Beim Jubiläumsfest des nun 330 Mitglieder zählenden Vereins wurde der Feuerwehr eine Vereinsfahne überreicht; das Jubiläumsjahr brachte für die Wehr Wächtersbach einen starken Aufbruch in die Moderne. Die Inbetriebnahme des ersten Feuerwehrstützpunktes im Kreis Gelnhausen und die Ausweitung des Brandschutzes auf die im Zuge der Gebietsreform eingemeindeten Stadtteile brachte viele Neuerungen für die Wehrmänner.
Die Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wächtersbach von 1871 – 1971
1. Vorsitzender/ Kommandant Ab 04.06.1906 § 16 der Statuten geändert: 12.11.1907 - 13.02.1913 Karl Wolf
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